Grußwort zum Schulfest der Erich-Viehweg-Mittelschule Frankenberg - 14.06.08

 

Sehr geehrte Frau Schulz,

sehr geehrte Damen und Herren des Lehrerkollegiums,

verehrte Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

 

„Von der Bundesrepublik zur Bildungsrepublik“ – so stand gestern mit großen Buchstaben auf der Politik-Seite der Freien Presse geschrieben; Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den 2. nationalen Bildungsbericht zum Anlass genommen, um Bildung zur zentralen Aufgabe des nächsten Jahrzehnts zu erklären.

 

Als Mutter und Politikerin freue ich mich darüber, dass dieses Thema endlich auch deutschlandweit in den Mittelpunkt rückt und  den Stellenwert bekommt, den es verdient.

 

Bildung beginnt am Anfang des Lebens und sollte eigentlich nie aufhören.

Die Schule ist der wichtigste Ort der Bildung für unsere heranwachsenden jungen Menschen, über die wir froh sind, dass es sie gibt und die wir so dringend brauchen – jeden einzelnen von ihnen!

 

Für ihr Wachsen und Gedeihen von Anfang an gute Bedingungen zu schaffen, damit sie gesund und mit einer soliden Bildung ausgestattet aufwachsen können, ist unsere gemeinsame Verantwortung als Eltern, Lehrer, Politiker und auch Unternehmer.   Und  - es ist existenziell wichtig für die Zukunft unserer Stadt!

 

Die wirksamste Antwort auf Abwanderung und Bevölkerungsschwund ist ein durchgängig gut ausgebautes und qualitativ hochwertiges Bildungs- und Betreuungsangebot ist.  Frankenberg ist gut aufgestellt – von der Kita bis zum Gymnasium.

 

Heute feiert die Erich-Viehweg-Mittelschule ihr Schulfest und hat sich zu diesem Festakt anlässlich der bisher erfolgten Sanierung ihres Schulgebäudes viele Gäste eingeladen.

Leider kann mein Mann heute nicht hier dabei sein; er muss als Bürgermeister  bei einer großen Bundeswehrübung in Munster Flagge zeigen für die Garnisonsstadt Frankenberg.  Er hat mich gebeten, Ihnen und Euch herzliche Grüße zu übermitteln und wünscht für das Schulfest gutes Gelingen und recht viele Gäste. Er wird seinen Besuch bald nachholen.

 

Ich selbst habe mich sehr über Ihre bzw. Eure Einladung gefreut, noch dazu, weil sie so liebevoll und kreativ gestaltet war.  Natürlich bin ich auch neugierig auf die neuen Klassenzimmer, Fachkabinette und die vielfältigen Informationen. Immerhin haben die ersten beiden Bauabschnitte 4,4 Mio. Euro gekostet.  Wenn dann hoffentlich bis Dezember alles fertig gestellt ist, kommen noch einmal 1,2 Mio. Euro dazu, so dass mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 5.6 Mio. Euro dann hier eine fast neue Schule steht.

 

 Ich darf Ihnen im Auftrag meines Mannes versichern, dass bis dahin auch die kleinen Unzulänglichkeiten abgestellt werden, die es bei so einem umfangreichen Bau eben  leider auch gibt.  Die Stadt bekennt sich in vollem Umfang zu ihrer Mittelschule.

 

Nun ist aber das schönste und auf das Modernste ausgestattete Schulgebäude nichts als tote Materie. Lebendig wird die Schule erst durch die Menschen, die in ihr lernen und lehren. Keine Schule ist allein deshalb besser oder schlechter, weil sie eine Privatschule, ein Gymnasium oder eine Mittelschule ist. Welcher Geist in Ihrer – in Eurer Schule herrscht, bestimmen Sie, bestimmt Ihr im Wesentlichen selbst.  Die Menschen – auch die Kinder – müssen wir nehmen wie sie sind, es gibt keine anderen. Wichtig ist, dass wir einander annehmen, so wie wir sind; dass  wir uns mit Achtung begegnen und uns in unserer Unterschiedlichkeit akzeptieren. Jeder Mensch hat eine  Würde und jedes Kind ist wertvoll. Alle Kinder brauchen eine Perspektive für ihre Zukunft. Es ist keine leichte Aufgabe, Perspektiven zu schaffen, aber wenn wir alle gemeinsam dafür arbeiten, uns um die Kinder kümmern, können wir viel erreichen.

 

Dazu brauchen wir Lehrer, die engagiert für ihren nicht immer einfachen Beruf leben. Die es vermögen, ihre Schüler jeden Tag aufs neue für das Lernen zu begeistern. Eine sehr engagierte Schulleiterin gibt es ja – liebe Frau Schulz – wir sind froh, dass Sie hier an dieser Schule sind und bleiben.

Dazu brauchen wir Schüler, die bereit sind, sich für ihre Schule und ihre Mitschüler über den Unterricht hinaus einzusetzen.  Die als positiver Kern in ihren Klassen für eine gute Stimmung sorgen und den Zusammenhalt fördern.

 

Dazu gehören in besonderer Weise – die Eltern, die die Hauptverantwortung für die Erziehung ihrer Kinder tragen. Es geht nicht, dass das Kind am Anfang der Klasse 5 abgegeben wird und als fertig ausgebildeter und erzogener Mensch am Ende der 9. oder 10. Klasse wieder in Empfang genommen wird.  Eltern und Schule müssen eine Partnerschaft aufbauen, in deren Zentrum die gedeihliche Entwicklung des Kindes steht.

 

Eine gute Schule braucht aber auch ganz wichtig die Einbettung in das Gemeinwesen. Das heißt, Schule ist keine Black Box, über die man sich beschweren kann, wenn der Bewerber für den Ausbildungsplatz nicht gut genug oder die Erziehung missraten ist. Schule braucht Praxispartner, Unternehmer, Handwerker, Praktiker, Übungsleiter in Vereinen - von denen die Schüler die Anforderungen des richtigen Lebens erfahren können, die sie aber auch motivieren können, dass sich lernen doch lohnt und keiner ohne Chance auf einen Ausbildungsplatz bleiben muss.

 

Schule braucht eine eigene Identität.  Etwas, was Zugehörigkeit signalisiert, auf die man stolz ist, etwas, was Gemeinschaft und Zusammenhalt schafft.  Das ist eine Aufgabe, die ich Ihnen heute gern mit auf den Weg geben möchte. Erarbeiten Sie sich gemeinsam mit den Schülern eine eigene Identität, mit einem Namen, einem Label, einem Kodex und treten Sie den Beweis an, dass eine Mittelschule hier in unserer sächsischen Kleinstadt Frankenberg durchaus eine  hervorragende Schule sein kann, mit tollen Mädchen und Jungen und sehr engagierten Lehrern. Mit dem geplanten Musikprojekt sind sie auf dem richtigen Weg.

 

Dem  heutigen Schulfestwünsche ich viele interessierte Besucher und der Schule eine gute Zukunft.  Einen besonderen Dank richte ich an die Lehrerinnen und Lehrer der Schule unter Leitung von Frau Schulz, die über die vielen Monate die Widrigkeiten des Umbaus  mit großer Geduld in Kauf genommen haben. Ich hoffe für Sie, dass die neuen Bedingungen Ihnen frische Kraft und Elan für Ihren wichtigen Dienst für unsere jungen Menschen geben.

 

Und nicht zuletzt wünsche ich allen Mädchen und Jungen der Erich-Viehweg-Mittelschule, dass sie mit Freude lernen und sich selbst auf den Weg über die Brücke von der Schule ins Leben  begeben. Brücken können wir für Euch wohl bauen – darüber gehen müsst ihr jedoch selber. Dafür alles Gute und herzlichen Dank.