Sehr geehrte Frau Dr. Menter,
liebe Frau Behring-Mothes,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude und auch Ehre, dass Sie aus ganz Deutschland nach Frankenberg gekommen sind und hier in unserer schönen Stadthalle Ihr Symposium zum Thema ADHS durchführen.
Ich möchte Sie auch im Namen meines Mannes, dem Bürgermeister unserer Stadt, sehr herzlich in Frankenberg begrüßen. Gern wäre er selbst gekommen, aber als Präsident des Sächsischen Blasmusikverbandes muss er heute in Brandis zum Verbandstag quasi den Ton angeben.
Wer von Ihnen unsere Stadt noch nie besucht hat, der denkt bei Frankenberg vielleicht zuerst an die Bundeswehr. Frankenberg ist seit fast hundert Jahren Garnisonsstad. Mit Frankenberg verbindet sich auch eine lange Tradition des Automobilbaus – Framo und später Barkas waren hier zuhause. Einst trugen Zigarren und Teppiche den Namen der Stadt in die Ferne, heute sind es Automobilteile, edel bedruckte Stoffe und Aluminiumdosen für allerlei Zwecke.
Um die Stadt für die Zukunft fit zu machen, setzt Frankenberg auf den einzigen Rohstoff, der ständig wachsen kann, wenn man sich mit ihm beschäftigt – auf Bildung! Frankenberg hat 6 Kindergärten - mit ganz unterschiedlichen Profilen; zwei Grundschulen, eine staatliche und eine evangelische, eine Mittelschule und ein Gymnasium; alle mit Ganztagsangeboten und in hoher Qualität.
Die Stadt hat viel Geld investiert – alle Schulen nahezu komplett saniert – beste Lernbedingungen für Kinder geschaffen; seit Jahren fließen mehr als die Hälfte aller Investitionen in Bildung;
Musik spielt eine große Rolle – ein städtischer Musikverein ist neu entstanden, es gibt eine Kita mit musikalischem Profil und Bläserklassen in der Mittelschule und im Gymnasium; Stadt will attraktiv sein für Familien und auch Unternehmen. Ich bin sicher, diese Investitionen sind nachhaltig und rentierlich. Warum das so gekommen ist, hat auch mit unserer ganz privaten Situation zu tun.
Unsere kleine Tochter Anne - jetzt 6 Jahre - schärft den Blick und macht eigene Erfahrungen. Es öffnet einem die Augen auch für Probleme, Sorgen und Nöte anderer.
Ich bin stellv. Vors. des ev. Schulvereins und erlebe es live mit, wie es Kindern ergeht, die die in der Schule nicht zu recht kommen, weil sie anders sind, als der Durchschnitt. Wild, unkonzentriert, oder verträumt und langsam.
Leider landen diese Kinder nach einer langen Zeit voller Frust und Misserfolgen viel zu oft auf einer Förderschule, werden abgeschoben, weil man ihr Problem nicht erkennt und sie nicht entsprechend ihren Bedürfnissen fördert. Schnell heißt es dann, die Kinder sind nur schlecht erzogen. Doch wer kennt schon wirklich die Sorgen und Nöte der Eltern, die mit ihrem ADHS-Kind allein kaum zurecht kommen.
Und dann gibt es ja noch eine sehr engagierte Frau in Frankenberg, die mir das Thema ADHS sehr intensiv ans Herz gelegt hat. Ja, Frau Behring-Mothes, durch Sie ist mir klar geworden, dass die betroffenen Familien Hilfe brauchen - Kinder wie Eltern gleichermaßen! Und zwar spezielle, fachkundige Hilfe.
Ich habe daraufhin in meiner Fraktion einen Antrag initiiert, der das Thema ADHS in das Bewusstsein der Sozialpolitik rufen soll. Dieser Antrag teilt sich in einen Berichtsteil, in dem es darum geht, die Situation in Sachsen zu beleuchten und in einet Teil, der die Staatsregierung zum Handeln auffordert.
Wir wollen z-B. erreichen, dass Eltern und Angehörige besser entlastet bzw. unterstützt werden, das bereits im Kindergarten bzw. bei Vorsorgeuntersuchungen auf das Vorliegen von ADHS geachtet wird. Wir wollen auch, dass Erzieherinnen und Lehrer/innen hinsichtlich ADHS geschult werden, damit sie in der Lage sind, ADHS zu erkennen und diese Kindern entsprechend anzunehmen. Wir wollen, dass Schule und Elternhaus Hand in Hand arbeiten und so dem Kind einen erfolgreichen Schulabschluss an einer Regelschule ermöglichen.
Noch bin ich mit den Positionen des Sozialministeriums nicht in allen Punkten einig. Besonders im Berichtsteil wird deutlich, dass zu ADHS und seinen Auswirkungen teilweise nur wenige Kenntnisse vorhanden sind. Allein die Tatsache, dass Menschen mit ADHS mehr als andere gefährdet sind, suchtabhängig oder straffällig zu werden, verlangt, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Dabei haben diese Menschen so viel Potential - das gilt es zu wecken und nicht zu verschütten.
Ich wünsche mir, dass für jeden kleinen Zappel-Phillip und für jede Traum-Suse gilt, was in der Schulkonzeption der ev. GS Frankenberg steht:
„Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes. Wir wollen ihn so annehmen wie er ist und ihn in seinen Stärken fördern und ihm dort helfen, wo er unsere Hilfe braucht.“
Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten – jeder an seinem Platz.
Ich wünsche Ihnen heute einen guten Tagungsverlauf und einen angenehmen Aufenthalt in Frankenberg.
Herzlichen Dank!