Sehr geehrter Herr Forchheim,
lieber Dr. Peter Jahr,
verehrte Damen und Herren,
ich weiß nicht warum, aber in den Vorstellungen vieler Städter sind Landwirte altmodisch, verschmutzen die Umwelt, quälen die Tiere in Massentierhaltungen und kassieren ungerechtfertigt viel zu viele Subventionen.
Dabei gibt es wohl kaum eine Branche, die von ihren Unternehmern – und das sind Landwirte – ein so umfassendes und ganzheitliches Wissen erfordert.
Sie müssen Biologen sein, denn sie arbeiten mit lebenden Organismen, sie müssen Chemiker sein, wenn sie Pflanzenschutz und Düngung richtig anwenden wollen, sie sind Techniker, damit der Maschinenpark immer rollt und Betriebswirte, damit am Ende auch die Kasse stimmt. Wer kann das sonst noch von sich behaupten?
Die heutige Einweihung der Biogas-Anlage ist ein Musterbeispiel dafür. Sie, sehr geehrter Herr Forchheim, haben gemeinsam mit ihren Leuten den Schritt gewagt und eine Investition in die Zukunft angepackt. Ihre Anlage ist in Sachsen ein Pilotmodell und wie ich weiß, haben sie mit viel Ideenreichtum und Engagement die Kinderkrankheiten der Anlage auskuriert und ein Stück weit an der Entwicklung bis zur Funktionsfähigkeit mitgewirkt. Heute wünsche ich Ihnen, dass bei der Vorführung im Anschluss alles klappt und die Presse ein anschauliches Beispiel für Modernität, Umweltbewusstsein und sinnvollen Einsatz von Fördermitteln der Öffentlichkeit vermitteln kann. Immerhin kostet die Anlage mit allem drum und dran 1 Million €.
Ein Viertel davon sind Zuschüsse, die gezielt zur Förderung erneuerbarer Energien eingesetzt wurden. Es ist schon imposant, wenn man sich vorstellt, dass mit dem Mist, den die Kühe machen und noch etlichen Tonnen Biomasse in Form von Silage, ein ganzer Ortsteil wie Krumbach mit Strom versorgt werden könnte – unabhängig davon, ob Wasser fließt oder Wind weht!
Meine sehr verehrten Damen und Herren, Landwirtschaft hat Zukunft, auch in Sachsen!
Was aus sächsischen Landwirtschaftsbetrieben auf unseren Tisch kommt, sind hochwertige Lebensmittel in kontrollierter Qualität. Vieles lässt sich importieren, eine gepflegte Kulturlandschaft aber nicht. Nach den Regeln guter fachlicher Praxis bestellt der Landwirt seine Felder und erbringt dabei ganz selbstverständlich und gratis für das Gemeinwesen einen unschätzbaren Beitrag zur Landschaftspflege. Weil das so selbstverständlich ist, wird es gar nicht wahrgenommen. Nur wenn die Erntemaschinen mal die Sonntagsruhe stören oder die ausgebrachte Gülle die Luft mit Stallgeruch anreichert, dann kriegen die Vorurteile wieder Nahrung.
Die Landwirtschaft gehört zum Dorf. Nicht wenige Familien haben dort ihr Einkommen und hin und wieder leisten die Bauern mit ihrer Technik so manchen guten und kostenlosen Dienst für die Gemeinde. Gut beraten sind deshalb die Gemeinden, die dieses Potenzial zu nutzen wissen, die ihren Landwirtschaftsbetrieb genau so schätzen, wie die Industriebetriebe im Gewerbegebiet. Holen Sie sich dieses Potenzial am besten in den Gemeinderat. Am nächsten Sonntag haben Sie die Möglichkeit dazu. Ich bin sicher, mit Ihnen, Herr Forchheim, Ihnen, Herr Eidam und Ihnen, Herr Gränitz, gewinnt die Gemeinde Lichtenau sachkundige, erfahrene und zuverlässige Gemeinderäte.
Meine guten Wünsche gelten deshalb nicht nur der Biogas-Anlage, die immer störungsfrei und effektiv arbeiten möge, sondern auch der Ottendorfer Landwirtschaftsgenossenschaft für ein gutes Landwirtschaftsjahr und den drei Kandidaten für eine erfolgreiche Wahl.
Herzlichen Dank!