Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen, meine Herren,
auf diese Debatte heute habe ich mich gefreut.
Unser Landtag hat sich in dieser Wahlperiode deutlich verjüngt – es gibt mehr Abgeordnete, die selbst kleine Kindern zu Hause haben – und deshalb großes Interesse an diesem Thema.
Sicher haben es alle schon selber erlebt? Tausendmal das Wörtchen „Warum?“ Löcher in den Bau gefragt: Warum wird es abends dunkel? Warum ist der Mond mal ganz rund und mal nur halb? Warum scheint nachts keine Sonne? Warum taut der Schneeball in der Stube und wird nur ein nasser Fleck auf dem Teppich? Warum, Warum…?
Viele Dinge sind alltäglich, selbstverständlich für uns – doch wie erklären wir es unseren Kindern, so, dass sie es verstehen?
Kinder sind die geborenen Entdecker. Sie erforschen ihre Welt durch Ausprobieren. Ihre angeborene Neugierde ist eine Grundvoraussetzung für das Lernen. Es macht ihnen Spaß, täglich Neues zu erkunden und die Fragen, die sie haben, entstammen aus ihrer direkten Umwelt. Für sie sind es lauter kleine Phänomene, für die sie eine Erklärung suchen.
Dazu brauchen sie die Hilfe von Erwachsenen, sonst bleiben viele Fragen unbeantwortet. Wenn niemand ihnen hilft, in einer lernanregenden Umgebung zum Beispiel durch einfache Experimente eigene Entdeckungen zu machen, dann erlischt mit der Zeit das Interesse für die vielen kleinen Wunder der Natur und Technik.
Seit 2007 ist der Bildungsplan für die Kitas in Sachsen verbindlich. Es ist ein sehr umfassendes und wertvolles Arbeitsmaterial für die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas. Zwei Kapitel widmen sich ganz speziell der naturwissenschaftlichen und der mathematischen Bildung.
Naturwissenschaftliche Kenntnisse sollen kindgerecht, konkret und praxisnah vermittelt werden.
Es gibt Hinweise zum pädagogischen Handeln, zu den Rahmenbedingungen und zur Arbeit mit den Kindern und den Eltern. Den Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas obliegt es, diese Anregungen aufzugreifen und mit ihren Kindern auf Entdeckungsreise in die Wunderwelt der Natur und Technik zu gehen.
Die meisten der Fachkräfte haben seit der Einführung des Bildungsplans unzählige Stunden an Fortbildungen besucht, haben sich Rüstzeug geholt, um die Theorie zu lebendiger Praxis werden zu lassen. Dennoch – der Stand und das Niveau der Umsetzung sind in den Kitas differenziert.
Es gibt Kitas, die sind einfach spitze. Dort findet sich motiviertes Personal. Der Träger hat räumliche Voraussetzungen geschaffen - auch wenn er dafür keine Fördermittel erhalten hat z. B. gibt es Werkstätten. Ich kenne Kitas, die haben ihr eigenes Profil und sind in ihrem Profil ganz hervorragend aufgestellt – zum Beispiel musikalisch oder sportlich. Sicher gibt es auch noch vereinzelt Einrichtungen, die sind noch ganz am Anfang stehen und sich nur schwer mit den Herausforderungen des Bildungsplans anfreunden können. Doch das sind meistens die Ausnahmen.
Alle sind dankbar für Unterstützung – vor allem für Unterstützung, die keine Eintagsfliege bleibt, die sich nicht mehr oder weniger qualifiziert in die Einrichtungen drängelt, weil es gerade mal eine Förderung vom Bund oder der EU für eine bestimmte Aufgabe gibt.
Nun gibt es ein Projekt, das sich der Vermittlung naturwissenschaftlicher und mathematischer Kompetenzen in den Kitas widmet. Das Projekt Haus der kleinen Forscher wird von der gleichnamigen Stiftung in Bonn und Berlin getragen. Die Stiftung fördert das Projekt mit 3,2 Mio. Euro im Zeitraum von 2008 bis 2010.
Partner sind: die sächsischen Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammer Südwestsachen Chemnitz-Plauen-Zwickau. Sie tun das nicht ganz ohne Eigennutz, denn das Wissen um die schwierige Fachkräftesituation der Zukunft dürfte bei der Entscheidung für das Engagement in Kitas Pate gestanden haben.
Zugegeben, ich war sehr skeptisch, als ich von diesem Projekt hörte. Mir schwante schon wieder eine durch Fördermittel animierte Aktion, die nur so lange läuft, wie das Geld reicht, um danach sofort eine neue Sau durchs Dorf zu treiben.
Wir alle kennen den Wildwuchs aus dem Bereich der Berufs- und Studienorientierung an den Schulen.
Oft ist Qualität sehr unterschiedlich und die Projekte sterben, wenn die Förderung ausläuft. Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun!
Beim Haus der kleinen Forscher habe ich mich eines Besseren belehren lassen und denke, dass der Ansatz ein richtiger ist. Denn bei diesem Projekt geht es in erster Linie darum, die Vermittlung von naturwissenschaftlichem und mathematischem Wissen zu befördern - also den Focus bewusst auf diesen Bereich des Bildungsplans zu richten. Kinder sollen aktiv lernen mit Spaß und Freude.
Dabei kommt es auf die Methoden an, auf das Wie der Wissensvermittlung.
Deshalb wendet sich die Stiftung an die Fachkräfte in den Einrichtungen, an diejenigen, die den Bildungsplan umsetzen müssen.
Den Erzieherinnen und Erziehern soll das das nötige Rüstzeug vermittelt werden, um das erworbene Wissen in ihren Kitas anwenden zu können. Sie sollen das in Workshops erlernte Wissen in die Einrichtungen tragen und an das Kollegium weiter geben.
Die Teilnehmer erhalten wertvolles Material in Form von Experimentierkarten und eine Handreichung zur Dokumentation und Reflexion der Experimente. Die Angebote verstehen sich als eine sinnvolle Ergänzung und Hilfe zur Umsetzung des Sächsischen Bildungsplans und werden gern von den Kitas in Anspruch genommen.
Die wahren Forscher sind die Kinder und wenn wir sie lassen, sie unterstützen, dann werden wir staunen, was sie alles zustande bringen.
Ich schlage Ihnen ein Experiment vor, dass Sie gern über Weihnachten einmal ausprobieren können: Schenken sie sich doch irgendein elektronische Gerät – eine Hifi-Anlage oder eine Videokamera vielleicht. Was meinen Sie, wer das Gerät schneller bedienen kann?
Sie, indem Sie die Bedienungsanleitung studieren oder ihr Sprössling, der weder lesen noch schreiben kann, aber zehn kleine neugierige Finger hat?
Schimpfen Sie nicht – sehen Sie in Ihrem Kind den Ingenieur der Zukunft! Loben Sie es!
Herzlichen Dank!