Pressemitteilung - Freie Presse v. 11.11.2011

Auch griechischer Wein löst Krise nicht

 

Sachsens Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt hat sich in Frankenberg einmal mehr als brillanter Finanzexperte erwiesen. Die Lösung für die EU-Krise aber hatte auch er nicht parat.

 

Von Uwe Lemke

 

Frankenberg - Die hübsch verpackten Weinflaschen aus dem krisengeschüttelten Griechenland und Italien, die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann am Schluss seines Vortages an Georg Milbradt überreichte, waren das perfekte Geschenk. Denn die Ironie kam auch beim Publikum im Frankenberger Akzent-Landhotel gut an. Schließlich hatte sich der ehemalige sächsische Ministerpräsident und Ex-Finanzminister Georg Milbradt in seinem Vortrag vor Bürgermeistern, Wirtschaftsvertretern und interessierten Bürgern als messerscharfer Analyst erwiesen und sehr ehrlich auf populärwissenschaftliche Weise die Hintergründe der gegenwärtigen EU-Krise erklärt. Milbradts Fazit hinterließ bei allen ein mulmiges Gefühl: "Es gibt keine Zauberlösung. Und es wird eine lange, bittere Geschichte mit ungewissem Ausgang."

 

Vor allem warnte der Professor davor, Schulden mit mehr Schulden zu bekämpfen, denn das funktioniere nicht. Die Länder müssten Preise und Löhne reduzieren, doch das sei politisch schwer durchsetzbar. "Auch können wir die Griechen nicht so behandeln wie der sächsische Finanzminister früher die Bürgermeister behandelt hat", sorgte Milbradt für Gelächter im Saal. Appelle an die Vernunft der politischen Akteure würden ebenso wenig bringen wie der Wunsch, "dass morgen die Sonne stillsteht. Wir können es zwar fordern, aber sie tut es nicht", spielte Milbradt auf den Weg des Geldes an, das eigenen Gesetzen folge. In dieser kritischen Situation dürften deshalb Geldabwertungen und der geordnete Konkurs von Staaten keine Tabu-Themen sein, forderte der Finanzexperte.

 

Eine Lanze für seine Geschäftspartner in Griechenland brach Justus Rau, Geschäftsführer der Frankenberger Uhlemann & Lantzsch GmbH. Sie seien fleißig und entsprächen nicht dem derzeit weit verbreiteten Klischee. Am Schluss der Veranstaltung überwog die Ungewissheit. "Es gibt leider keine Perspektive", bedauerte die CDU-Landtagsabgeordnete Iris Firmenich. Man könne nur hoffen, "dass Vernunft einkehrt und wir aus dieser schwierigen Situation herauskommen".

 


Realist statt Optimist: Professor Georg Milbradt bei seinem Vortrag im Frankenberger Akzent-Landhotel. - Foto: Falk Bernhardt